History

Wie alles begann...

Schmotzig Donnschdig 1981, Punkt 5 Uhr in der Früh: in Altwis beginnt eine neue Fasnachts Epoche. Cirka ein Duzend Kinder im Alter von 6-10 Jahren legen den Grundstein für eine glorreiche Guggemusig.

Bewaffnet mit Schlauch und Trichter, einseitig bespannter Pauke, mit verbeulten Trompeten und Hörnern aus dem Archiv der Wybärgschreckemusig (WBSMH) und anderen Lerninstrumenten gaben wir unser Bestes.

Wir konkurrenzierten die lauten Töfflis ohne Auspuff, welche bis anhin am Schmudo die Altwiser Dorfbevölkerung aus ihrem seeligen Schlaf gerissen hatten - welcher Klang angenehmer zu hören war, ist Geschmacksache...

In den ersten Jahren beschränkten sich die Aktivitäten auf den Schmudo in Altwis: Tagwache, Besuch der WBSMH in Hitzkirch, Mehlsuppe und anschliessende Gönnertour bei allen Haushalten im Dorf, bildeten das Programm. Schon bald erweiterten sich die Auftritte. Wir durften an der Altersfasnacht in Hitzkirch spielen, wo wir von einigen Eltern musikalisch unterstützt wurden, damit die Zuhörer wenigstens im Ansatz die Melodie erkennen konnten. Nach den Sujets „Tiger, Hexen, Clowns und Wöschwyber“ durften wir im 5.Jahr erstmals als „Marsmenschen“ am Hitzkircher Umzug mit anschliessendem Monsterkonzert teilnehmen! Inzwischen hatten wir unser Instrumentensortiment mit einem Saxaphon und Piccolos erweitert. Jene verhalfen uns zum Namen Piccolo Schränzer. Mehr Melodie, doch nicht zu mehr Lautstärke... Am Monsterkonzert spielten wir 8 Mal das Lied „Aluette“, damit uns das kreischende Publikum wenigstens 3 Minuten „geniessen“ konnte… unsere Eltern verheimlichten uns aus Mitleid folgendes Zitat: „Sie gänd sech jo scho vöu Mühe, aber sie brengid eifach nüt rächts use…!“


1986-1990... oder der grosse Sprung nach vorn

1986, im Jahr der „Borkenkäfer“ wechselte fast die ganze Mannschaft. Die 5 übriggebliebenen gründeten den neuen Vorstand, welcher während den nächsten 6 Jahren das Geschehen prägte. Wenigstens mit den Maskengrössen stellten wir die anderen Guggenmusigen des Seetals in den Schatten. An der Tagwache hatten wir die Töfflibuben schon beinahe verdrängt. Der Fasnachtsbeginn „Babylon“ entwickelte sich zur Tradition, die bis heute gehalten wird. Als „Mäuse“ durften wir dank guten Beziehungen unseren ersten ausserkantonalen Auftritt bestreiten am Umzug in Villmergen. Unser damaliger Paukist Adrian Geissmann (damals 11) schämte sich sehr, da er sein Instrument aus Gewichtsgründen in einem Leiterwagen ziehen lassen musste.

Als Punks entledigten wir uns eines alten Problems: die importierten Trompeten (unter anderem Schlieffi alias Ueli Widmer - inzwischen Ehrenmitglied) ersetzten fehlende Altwiser Bläser. So öffneten wir uns gegenüber Auswertigen.

Zu unseren immer zahlreicher werdenden Auftritten nahmen wir die Fahrdienste unserer Eltern in Anspruch. In dieser Zeit verdienten wir unser Geld durch Auftritthonorare, Gönner- und „Beizentouren“ und durch den Verkauf von handgefertigten Holzplaketten. Als wir als „Näbufeen“ unseren ersten musikalischen Höhenflug hatten, meinte ein Musikkenner an der Pfarreifasnacht 1989: “ehr send jo afig besser als die Grosse!“ Als Paradiesvögel feierten wir unser 10-Jahr Jubiläum. Zum 1. Mal schneiderte Loly Felder aus Altwis unser Prototyp.


1991-1995

Nach einem brandheissen Jahr als „Füürgeischder“ war es vor allem der Vorstand, welcher mit innovativen Ideen das Geschehen prägte. Guter Rotwein und Villiger-Kiel galten als Inspiration für eigenständige Liederauswahl, übergrosse Tambi-Masken und den Gedanken: “Ein Ball muss her!“ Unser Gruftie-Ball sollte sich von üblichen Fasnachtsbällen abheben. Stilbrüchige Live-Musik, Gäste von Jung bis Alt und Mitternacht-Grufie-Show mit Hells Bells und Sargfeeling - unsere Ansprüche waren riesig! Ernüchtert stellten wir fest, dass die Fasnächtler lieber bei Tanzmusik ihr Bier tranken. Nach 3 Jahren stoppten wir das Projekt...

Unser Probe-und Festlokal „s’Alte Schuelhuus“ in Altwis wurde in diesen Jahren umgebaut. Der Freizeitclub renovierte das kostbare Gebäude, in dem wir heute einen eigenen Raum haben, der uns ganzjährlich zur Verfügung steht. Ausgestattet mit Sofas und Bar bietet es Platz für gemütliche Runden, dabei haben sich schon so manche Erinnerungen angesammelt.

Ein Flair für gemütliches, gepflegtes Essen hat sich als Eigenschaft unserer Guggenmusig entwickelt. Beispielsweise das leckere Raclette-Essen bei Elmigers war stets legendär.

Einige Mitglieder konnten inzwischen Auto fahren, was für uns mehr Selbstständigkeit bedeutete. Um effizienter proben zu können, entschlossen wir uns, unser Probe-Weekend von der Turnhalle in Altwis nach Reiden ins abgelegene Pfadiheim zu verlegen. Dort konnten wir sogar ungestört unser Mitternachtskonzert unter freiem Himmel abhalten. Für unsere weiteste Reise nach Schüpfheim reservierten wir erstmals ein Car.

In früheren Jahren diskutierten wir, ob die ältesten Piccolos jeweils zur WBSMH wechseln sollten, damit die Piccolo-Schränzer eine Jungguggemusig bleibt. Aus grosser Sympathie zu den „kleinen“ Piccolo Schränzer entschlossen wir, gemeinsam alt zu werden.


1996-2000 Hoitröchner is born

Nach den Sujets „Zigeuner und Papageien“ waren wir im 15. Jahr eine gekenterte U-Bootflotte. Unser Durchschnittsalter erhöhte sich auf 18. Der langsam nicht mehr so passende Name „Piccolo-Schränzer“ stand zur Diskussion: ein passenderer Name musste her! Nach intensiver Debatte stand er fest: HOITROECHNER ALTWIS! Endlich waren wir auch formell nicht mehr die Kleinen und konnten bei den Grossen mitspielen. Vor allem der musikalische Fortschritt und unser Auftritt mit originellen Kleidern verschaffte uns Anerkennung! So wurden unsere Auftritte immer zahlreicher. Dabei wollten wir nie mehr als 35 Mitglieder zählen, um weiterhin auch in Restaurants spielen zu können.

Nach dem gescheiterten Gruftie-Ball fanden wir bald eine Alternative: 4 Jahre lang führten wir aus Verbundenheit mit Altwis in Zusammenarbeit mit dem Rössli-Wirt einen kleinen Ball im Dorfrestaurant durch. Der Erhalt der Altwiser Fasnacht lag und liegt uns noch immer sehr am Herzen. 1998 starteten wir das Gross-Projekt „Blues Brothers Party“. Mit viel Aufwand und Fantasie verwandelten wir die Reithalle in Richensee in ein Tanzparadies- dessen Erfolg beflügelte sehr.

Nach „Atomgeister, Druiden, Winzerfest und Vampire zu Schloss Versailles“ haben wir für unser 20-Jahr Jubiläum das Sujet „The Golden Twenties“ ausgewählt.


2001-2005

Musikalisch starteten wir den nächsten Höhenflug mit den Tambi’s Gaba (Michi Gabathuler) und seiner Nachfolgerin Evi (Eveline damals noch Schmid...) als Highlight durften wir uns zum 1.Mal im Ausland beweisen

In diesen 5 Jahren geschahen viele Veränderungen: das 1.Motto-T-Shirt wurde designt durch unseren Fachmann Stefan Bütler; der Besuch eines Winzerfestes wurde fester Bestandteil unseres ausserfasnächtlichen Programms; eine Taufe für alle Neumitglieder wurde zur lustigen Tradition (mit Föhn und Heu in der Hand, ein Schluck Wasser im Mund -manchmal auch Weisswein- muss ein Schwur geleistet werden);die Notte di Pizza auf dem Bachtalhof der Familie Geissmann für die Altwiser Dorfbevölkerung wurde ins Leben gerufen und stiess auf grossen Anklang; dank dem Erfolg der Hoitröchner-Party, die ab jetzt mottogetreu daher kommt, dürfen wir Martin Zimmermann als unseren Lieblings Carchauffeur geniessen auf unseren Fahrten an die Auftritte; und zu guter Letzt pflegen wir seit einer lustigen Begebenheit mit den Juris aus Hochdorf das jährliche Eishockey-Turnier mit zahlreichen Fans.

Die anfänglichen Holzplaketten als Verkaufsartikel wurden abgelöst durch Mäuschenspiele, Jasskarten, div.Schnäpse in dekorativen Fläschli und Zahnbürsteli. Nach den Sujets „Oktopus“ und „Stärneföifi“ präsentierten wir den legendären „Giftzwerg“, der noch heute in aller Munde ist- gefolgt von „le Chat Botté“ (Gestiefelter Kater) und „Häxxeschoss“, unser Kleid zum 25-Jahr Jubiläum. Dieses Jahr brachte eine grosse Zahl von Neutröchnern aus Piccolo’s- welche im Jahr 1999 nochmals ins Leben gerufen wurden durch Kusi Hartmann, Bave Leisibach und Möri Elmiger- grossen Umbruch in die Guggemusig: die Statuten mussten geändert werden auf maximal 50 Mitglieder und um Ordung in diese Horde zu bringen, wurde jedem Neumitglied ein Gotti/Götti zugeteilt. Der krönende Abschluss bildete unsere super dreitägigen Jubiläumsreise nach Maierhofen.


2006-2009

Im Jahr 2006 wurde unser erstes Ehrenmitglied erkoren. Weitere folgten. Geehrt werden dabei diejenige Mitglieder, die mit besonders viel Leidenschaft und Einsatz das Geschehen der Hoitröchner beeinflussen.

An einer GV wurde einstimmig angenommen- ein eigener Instrumentenanhänger muss her! Mit viel Leidenschaft und Herzblut arbeiteten unsere handwerklich und grafisch begabten Herren unermüdlich am Innenausbau und dem äusseren Erscheinungsbild. Der fertige Anhänger wurde mit Apéro und viel Stolz eingeweiht.

Dass wir ausgesprochene Gourmet sind ist bereits weithin bekannt. Deshalb freut es uns riesig, dass wir immer wieder von lieben Mamis und Papis zum „lecker-schmecker“ Schmaus oder Apéro eingeladen werden! Als Dankeschön werden die Gönner vom Vorstand mit einem 7-Gang-Menü bekocht... manchmal ein kleines Abenteuer.

Im Jahr von „Heidi und Geissenpeter“ versuchten wir uns an einer CD-Aufnahme. Fazit: Live tönt es hoffentlich besser und macht uns viel mehr Spass!

Als Geishas getarnt, bei den Juris am Güdisziischdig, wurden wir nach einem genialem Auftritt und langem Zugabeh-Chor zurück auf die Bühne geholt- das war vielleicht ein Erlebnis, das bis unter die Haut ging!

Nach den Mottos „Bugs Bunny, Hü Geiss, Hoigömper und Geisha“ freuten wir uns bereits auf das Jubiläumsjahr, welches wir mit einer atemberaubenden Jubi-Reise starteten, wo bereits unsere Neumitglieder für dieses Jahr mitkommen durften. Jetzt stecken wir mitten in den Vorbereitungen für die kommende Saison unter dem Motto „30 Johr am omehüenere“!


2010-2014 Zeiten des Aufbruchs

Unser Jubiläum – immerhin bereits eine 3 auf den Rücken – stand ganz im Zeichen der Hühner, genauer gesagt „30 Jahre am omehüenere“. Den Auftakt ins Geburtstagsjahr machte unsere Hoitröchnerparty, welche zum letzten Mal in der Reithalle Richensee über die Rolltepiche und Schnitzel ging. Nach diesem kleinen Wehmutstropfen liessen wir den Töff so richtig an, mit viel Weizenspreu und Hühnerfödli-Gewackel, zum Beispiel an den Umzügen in Hochdorf und Hitzkirch, wo wir mangels Koordination auf einem Wagen unser spielerisches Können zum Besten gaben…oder wie ein ehemaliger Tambi von den Hoitröchner zu kommentieren wusste „de Tambi weiss scho wieso er de Hüenerhuufe ufne Waage packt hed..wenn sie zom Spele no müesstid Laufe gäbs es Chaos!“

Viele der alteingesessenen „Ur-Hoitröchner“ wurden über all die wilden Jahre hin häuslich, gaben sich das Ja-Wort und arbeiteten fleissig am Hoitröchner-Nachwuchs. Dies macht uns langsam zu Experten im Böimlistellen und zu geübten Hochzeits-Gastspielern. Und wo etwas zu Ende geht gibt’s Platz für Neues! Zum einen durften wir tolle Neumitglieder im Verein willkommen heissen, was für viel frischen Wind sorgte. Zum Anderen überraschten uns die Althoitröchner mit ihrem „Pinkinger“ in der Fasi 2012- unserem Jahr der Elfen! Und auch unser neuer Festplatz für die Hoitröchnerparty in der Industrie in Hitzkirch wurde sowohl von uns Mitgliedern wie auch unseren Gästen als erfrischenden Neuanfang empfunden und mit einem weiteren genialen Fest eingeweiht.

Mit dem Motto „Moulin Rouge“ 2013 hat sich die Sujetkomission wieder einmal selbst übertroffen, und wir durften allseits viel bewunderte und gelobte Cancan Kleider (Frauen) und charmante „Poffvättere“ Kleider (Herren) ausführen. Aber auch unser Lager in Gelfingen durften wir weiter ausbauen, und wird nun immer mehr und mehr zur kreativen Baustelle für unser Hab und Gut, welches sich durch all die Party und Notte di Pizza Jahre hin angesammelt hat..mit Potential nach oben. Unser neuster Wurf nennt sich Reggae-Schnägge, womit wir die aktuelle Fasnacht 2014 farbenfroh bereichern und spielerisch unser Bestes geben und stets mit dem Herzen voll dabei sind. Denn einmal Hoitröchner, immer Hoitröchner! In dem Sinne ein GRÅS, GRÅS, GRÅS.


Sujet-Kommission

Kaum ist das Fasnachtsfeuer erloschen, beginnen bereits wieder die Vorbereitungen für das neue Motto. In stundenlangen Sitzungen werden verschieden Mottos diskutiert, entworfen und auch wieder verworfen. Nach wochenlangem Hin und Her werden den Mitgliedern drei Mottos vorgeschlagen, von welchen dann eines gewählt wird. Anschliessend wird einem geeigneten Opfer der Prototyp auf den Leib geschneidert. Wird dieser dann für gut befunden und nachdem allfällige Änderungen vorgenommen wurden, startet die Massenproduktion. Nach dem - für manche Leute doch sehr nervenaufreibenden - Zuschneiden der x-hundert Teile für sämtliche Kleider, gelangen die Einzelstücke zu den Schneidern, wo diese zu einem Ganzen zusammenwachsen. Jedes Jahr gibt es Mitglieder die ihr Kleider selber nähen. Dieser Umstand ist an und für sich nicht besonders, doch wenn sogar Männer eigenhändig zu Nadel und Faden greifen und bei Zeitnot alles mit Postitch, Sicherheitsnadeln und Leim vollenden, zeugt das von doch sehr grossem Enthusiasmus.

Wenn vor dem ersten Auftritt alle versammelt sind und sich gegenseitig bestaunen, mit der fix fertigen Schminke im Gesicht, zweifelt niemand mehr daran, dass die Sujet-Kommission auch dieses Jahr wieder überragende Arbeit geleistet hat.

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